80 Jahre und kein bisschen leise - Der Komponist Hans Joachim Hepos wird am 13. März 80 Jahre alt. Wir gratulieren, wünschen alles Gute und weiterhin musikalisches Schaffen.

Leise war Hespos nie  und das wollte er auch nicht. Softmusik, Klangwelten, Musik zum Wohlfühlen, danach stand diesem eigenständigen, im besten Wortsinn norddeutschen  Komponisten nie der Sinn. Lassen wir den Komponisten selber sprechen:  Will man  dadurch dem Publikum die Sache besonders nahe bringen,  wurde er gefragt: nur oberflächlich, denn Inhalte  vermitteln sich weder über Lautstärke noch über Verfälschungen.- Dazu  eine junge Zuhörerin vom Konzert am 11.11. 2009  dem 40. Konzert in Delmhorst : Solche Musik ist aufregend , und ich habe mit dieser neuen Musik zuvor nie etwas zu tun gehabt und, obwohl mir das eigentlich gar nicht gefällt, nimmt es mich doch gefangen, weil jeder Teilmoment spannend ist, man weiß nie, wie es weitergeht, man möchte aber wissen, was kommt als nächstes. Das hält einen so in Spannung. Wenn man von der Postmodernen absieht, deren einschlafende Wirkung durch Kissen für die Zuhörer unterstützt wird , hat die Zuhörerin hier einen Kern getroffen. Neue Musik arbeitet wie alle anspruchsvolle Kunst mit dem Unbekannten, dem Überraschenden.

Für das Karlsruher Ensemble 13 von Manfred Reichert schrieb Hespos Auftragswerke , die den Ungestümen und die leidenschaftliche Auseinandersetzung seiner z.T. sehr eigenwilligen Sprachwelt zeigen. So schreibt die FAZ nach einem Konzert am 17.Dez. 1988: Nach den Metallexzessen - die Reise zum Mittelpunkt der Erde und Seiltanz mit Öltank und Schweissbrenner ist Hans Joachim Hespos mit Luffio …..ins szenisch geordnete, vom verbalen Musiktheater zurückgekehrt. Ein Musiktheater,… jeder Musiker ein Ausdrucksträger seiner selbst …Neu ist der Gedanke dieses Befreiungstheater sicherlich nicht, darauf kommt es Hespos auch gar nicht an….(Manfred Reichert: Fremder Ort Heimat: S. 86f. ) 

Nein, darauf kam es Hespos nicht an, so ließ  er sich nicht davon abbringen, die Lautstärke des Konzertes zu mildern, selbst als die Zuschauer sich die Ohren zuhielten und der Dirigent Reichert ihn darum bat, was zu einem  langjährigen Abbruch der Kommunikation zwischen diesen beiden herausragenden und Musikern führte. Und doch verbindet sie beide diese Leidenschaft und diese tiefe Einsamkeit und Verzweiflung, wenn Unverständnis, ja Feindschaft den neuen Werken entgegen schlägt. Wie schreibt Hespos in seinen Gesprächen mit Tobias Reiser (Höre Hespos, Berlin 2011) nach einem Konzert bei den Donaueschinger Musiktagen …. und keiner keiner sprach mit mir.

Kommen wir zum Anfang dieser Gratulation zurück mit einem kleinen Gedicht von Hespos:

Was ich immer wieder fordere :

Sein wie die kinder, immer wieder fragen:

und was noch, und was noch, und was noch ?

Diese neugierde von kindern,

was ist das, und das, und was ist das?

Unstillbare neugierde – so sind wir menschen

Hespos will alle Sinne ansprechen und nutze dazu radikale Mittel, die den Zuhörer herausfordern  und damit auch den heutigen Kulturbetrieb. Dieser  scheint es vergessen zu haben,  dass Kunst uns ins Unerwartete führt. Sie will  untere Schichten ansprechen, die Kreativität frei legen. Das ist keine Unterhaltung und schon gar keine Kunst, die sozialen Motiven folgt, möge es nun „gender“ oder andere Benachteiligungen heißen. Kunst kann sehr einsam machen und ist unbequem. Das hat auch Hespos erlebt. Aber sie ist die einzige Leidenschaft von Musikern wie das Bild von Hespos bei einer Probe mit dem  Dirigenten Manfred Reichert zeigt. Sie entbehrt der Popularität – desto tiefer unser Glückswunsch für jemanden, der sich und seine Musik nie aufgegeben hat.

 

Robert Weiss