Chemnitz oh Du Schöne

Nein, schön ist sie nicht, jene von Desindustrialisierung,  Entvölkerung  und stereotypen Neubauten gebeutelt Stadt, deren monumentales Karl Max Denkmal durch die Patina der fortschreitenden Zeit wieder Besichtigungspotential gewinnt. Und so empfing sie uns, aus Berlin kommend, mit einer Neuen Sächsischen Galerie.  Sie lockt nicht nur mit einem zum Verweilen einladenden Information- und  Dokumentationszentrum . Hier konnte sich der westliche Uraltberliner über die Bohme in der ehemaligen DDR informieren und sein erster Eindrucke von Chemnitz erwarb zusätzliche Farbtupfer. Die Galerie stellte Magister Arbeiten aus dem Kunstgewerbe aus. Wenn man auch an den praktischen Gebrauch mancher Caps zweifeln mochte, im Ganzen ein wunderbarer Ort für einen sonnigen Frühlingstag.

Leider hatte sich dies in  dem  gar nicht so kleinen Chemnitz nicht rechtzeitig  herumgesprochen, denn an diesem Sonntag gab es Musik, moderne dazu into the depth hatte der begabte Klarinettist Georg Wettin sein Programm genannt, das nicht nur die Komponisten aus Berlin und Fulda nach Chemnitz gezogen  hatte sondern   auch ihn und  seine kompetente Partnerin der Öffentlichkeit  dieser  Stadt vorzustellen wollte.

Das war und wird nicht  einfach sein  und ist doch bitter nötig. Neue Musik, jenseits aller technischer Debatten, heftiger Ablehnung und der Bildung innerer Zirkel ist ein Kreativbrunnen . Sie bricht Grenzen auf, stellt liebgewordene Hörgewohnheiten in Frage und spricht Gefühle und Schichten jenseits unser aller anscheinend nie zu stillendem Unterhaltungsbedürfnis an. Sie kann wütend machen, ärgerlich und doch verkrustete Strukturen aufbrechen. Und dies ist leider, wie überall, zu besichtigen täglich in Berlin bei der Aufgabe privater Geschäfte, auch in Chemnitz nicht unbekannt. Die Abgabe eines auf der Toilette gefundenen Portemonnaie mit Haustürschlüssel und Personalweis stieß auf keine Gegenliebe. Man sei für diese Toilette  nicht zuständig. Nun wollte der Tagesbesucher sich lieber dem  einehmenden Marktplatz angesichts des alten Rathauses widmen und  einem Eiscafé genießen  und meinetwegen auch das Denkmal  Marx  bestaunen als  sich wiederum auf der Suche nach Zuständigkeiten zu  begeben. Für neue Sichtweisen für Kreativitätanstöße brauchen wir Neue Musik. Deshalb Chemnitz, du Schöne Du hast so eine schöne Galerie, jetzt bitte auch noch Musik.

AO. Sm.