Denke, Künstler, glänze nicht.

Überschrieb der Berliner Tagesspiegel seinen Bericht über die Feier zum 150. Geburtstag des Gründungsdirektors Joseph Joachim, dessen Büste, von den Nazis entfernt vor einigen Jahren wieder in die Musikhochschule an der Hardenbergstr. zurück kehrt ist. Wie viele ausübende Künstler des 19. Jahrhunderts hatte auch Joachim, nach seinen  Aufführungen als Genie der Geige als Direktors der königlichen Akademischen Hochschule für Musik komponiert. Man fragt sich und nicht nur der vorliegende Bericht, wo alle die anderen Komponisten geblieben sind, Gerade angesichts der immer dürftiger werdenden Vorführungen Berliner Musiker, gerade Komponisten,  hätte man sich über eine Begegnung mit ihnen auch der vergessenen gefreut. Nein, als Eröffnungskonzert folgte Brahms 2. Sinfonie. Nun mag man sich dem Urteil des Berichtenden anschließen, dass die Einübung eines solchen Stückes pädagogisch wertvoll ist aber wie hier auch gesagt wird, Brahms ist in Berlin nicht vergessen und wird allenthalben gespielt. Warum gab es kein Konzert Neuer Musik. Hat diese nun endlich durch mannigfache entsetzliche Aufführungen und durch ihren schlechten Ruf endlich alles Wohlgefallen des Publikums verloren. Berlin hat kaum noch Musikalienhandlungen, die sich erlauben, Noten zeitgenössischer Komponisten anzubieten. Es ist auch schwierig, das dies nur von einem Großhändler per Bestellung angefordert werden müssen. Hören konnte man sie  bei der Eröffnung dieses Festes auch nicht. Gehen wir einem Zeitalter entgegen, in dem die Neue Musik endgültig stirbt ?

R. Weiss