Der Garten der zerbrochenen Statuen

Nennt sich in Russland ein Ort, an dem die Menschen ihre ehemaligen Helden und deren Elemente entsorgt haben. Man sieht dort nicht nur aufrecht oder liegend Lenin und Stalin, man sieht auch Monumente von großen Namen, die heute keiner mehr kennt.  Was passiert mit Menschen, deren Vergangenheit entsorgt wird. Ist kulturelles Erbe für sie noch ein Begriff. Nicht erst seit den Einlassungen des Innenministers  sind dies Fragen, denen sich viele  mit Unbehagen stellen. Um vieles mehr als Statuen und Gebäude gehört Musik zu dem kulturellen Erbe jeden Volkes. Wenn man heute weiß, dass Ungeborene schon im Mutterleib die Sprache ihrer Mutter nachahmen – ein Sprachfluss der zwischen Französisch und Deutsch unterschiedlich ist, kann man sich vorstellen, wie sehr Musik zu diesem persönlichen kulturellen Erbe gehört, das ja- wie man auch heute weiß - am Ende des Lebens, trotz Demenz nicht verloren geht ( Mit Liedern und Gedichten können wir Menschen mit Demenz erreichen: Musici Magazin, 1_17: 22). Man sollte also die seelische Verbundenheit des Hörers mit dem Klang nicht unterschätzen. Wenn in hört,hört , Berliner Tagesspiegel vom 7.Mai schreibt, ein Konzert ist ein Heraustreten aus dem Alltag, das man ohne Vorkenntnisse genießen kann. Ein Konzert kann darüber hinaus gehen,  die Musik spricht zu einem. Und dies hat mit vertrautem Klang zu tun. Nun soll das nicht bedeuten, dass man bei der altbekannten Klassik bleiben muss, auch wenn das Klassik Publikum nicht ausstirbt, wie der Tagessspiegel schreibt. Immer wieder haben Musiker, Musikwissenschaftler u.a. nach neuer Musik und neuen Wegen gesucht. Wie der Nachruf von Ekkehard Jost (in nmz 5/17:6 am zeigt, entdeckte diese Generation das soziale Umfeld von Musik und Musikern wie ebenfalls  in der Musikethnologie A. Simon und E.Kubik ,  diese scheel angesehen von ihrer eigenen Zunft, die der reinen ästhetischen Analyse verhaftet blieb. Aber die moderne Musik verlor ihr Publikum und leitet damit einen Traditionsbruch ein, der die Musik den Menschen entfremdet. Hinzu kommt das aus einem Turboverständnis europäischer oder westlicher Kultur sich diese immer weiter von dem entfernt,  was zur musikalischen Heimat der Menschen gehört. Was einmal als Aufbruch einer Moderne gesehen wurde, nach dem Zweien Weltkrieg war Bartok auch den Musiklehrern unbekannt, was sich in den Fragen eines Musiklehrers in einer Abiturprüpfung zeigte, verlor den Kontakt zum Publikum. Merkmale der Qualität  verloren die Konturen und Intensität. Was an sich als Neue Musik und damit als Aufbruch verstanden worden war, gerierte sich zunehmend als Grenze und Regel für neue zeitgenössische Musik d.h. im schlimmsten Fall desto mehr es das Ohr beleidigte, desto moderner und desto – leider - ! förderungswürdiger. Leider muss man diese Bemerkungen auf die außereuopäische Musik oder sagen wir besser auf die nichtnational Musik beziehen. Diese ist sehr oft Musik mit einem speziellen Umfeld und nicht für den Konzertsaal gedacht.  Man könnte sich vorstellen, dass syrische Musiker, die in Caféhäusern und auf der Straße aufgetreten sind, ihr Publikum hier im Konzertsaal nicht erfreuen, sondern trieftraurig machen, das ist nicht das Umfeld Ihrer Musik.  Aktueller denn je  Hanns Eislers Musik schreibt musici 1_17:26f. nachdem Eisler lange Zeit  nicht mehr gehört wurde. Ein gutes Zeichen. Wie wäre es mit Arnold Schönberg: Das Buch der hängenden Gärten nach Texten von Stefan George oder von dem visionäen Dichter des 1. Weltkrieges Georg Trakl Abendlicher Reigen in der Vertonung von Art Oliver Simon zu hören im Rahmen des 3. Berliner Oaarwurm-Festivals am 16. Juni in der Alten Feuerwache, Marchlewskistr.6 im Berliner Stadtteil Friedrichshain.. Kommen Sie und lassen Sie uns die Neue Musik entdecken. _

Robert Weiss