Die Gema vom 15.-17. Mai in Berlin

Mein Vater war  der Auffassung, dass populäre Kunst auch qualitativ hochwertig sein muss. Er hat manchmal mit Humor, manchmal spielerisch aber immer durchdacht und kunstvoll gearbeitet und er hat sein Publikum immer respektiert. Das ist meiner Meinung nach ein Grund seines Erfolges, sagt Michael Jacobson, der Sohn des Stifter Fred Jay Preises in seiner charmanten Laudatio vor der Übergabe des Preises anlässlich der Mitglieder Versammlung der GEMA am 15. Mai 2018.

In ihren Organisationsstrukturen ähnelt die  GEMA  ein wenig der katholischen Kirche, von der sie auch einige Bezeichnungen übernommen hat. Sie hat zwar keinen Papst, aber eine mächtige Kurie, die ordentlichen Mitglieder, deren Zugehörigkeit durch die Höhe ihrer Ausschüttung bestimmt wird. Dieses wurde aber durchbrochen, da man die Anzahl der Punkte zur Erringung einer ordentlichen Mitgliedschaft als Organisator von Konzerte oder ähnlichen Veranstaltung erhöhen kann. Zu den Mitgliederversammlungen der außerordentlichen und angeschlossenen Mitglieder – also der Laien – gehören alle. Sie erhalten auch die Tagesordnung, nehmen an der Generalversammlung teil und wählen Delegierte, die wiederum einen Vorstand  gleichsam die Heiligen wählen, der dann  wiederum Kontakt mit der Gema, der hauptamtlichen Organisation und Vertretung der Mitgliedervertretung Kontakt aufnehmen kann.

Hier endet auch der nur oberflächlich Vergleich. Der rote Faden der Tätigkeit der Gema ist ihre Abkehr von reinem Markt. Damit ist sie  besonders wichtig, weil der Markt a. wächst und mit den neuen Medien noch wachsen wird und b. dem Unterhaltungssektor einen Ausgleich an die Seite stellte, da sie der Förderung von Kreativität  und den Einfluss auf die Gesellschaft durch  Musik Rechnung trägt. Dass dieses alles  der Markt vernachlässigt, weiß z.B. die Kulturpolitik mit ihrem System der Förderung. Aber ob der Staat  Musik  und besonders klassische Musik fördert, gerät zunehmend unter das politische Kalkül und man sollte nicht naiv sein, um zu glauben, dass das  viel gepriesene Urteil einer Jury oder eines Gremiums daran viel ändert. Die Gema enthält  sich dieses Urteils. Wohl setzt sie eine Bewertungskommission ein, aber diese fällt kein ästhetisches bzw fachlich begründetes Urteil.  Diese sogenannte Umverteilung ist das Spezifikum der Gema und sollte von keinem in Frage gestellt werden, obwohl kleine Anbieter schon an den Gebühren gescheitert sind und sie sehr oft zu den schwer aufzubringenden Kosten einer Veranstaltung beiträgt, um diese noch unerträglicher zu machen. Ohne diese Auftrag würde die Neue Musik schwer überleben können, die eingezwängt zwischen einer theoretisch fixierten Begründung und zunehmenden Verlust eines Publikums zu einem Nischendasein verdammt ist. Man vergleiche  nur die Situation heute mit den Äußerungen zur modernen Musik  und den  Programmen des Manfred Reichert, wie sie in Fremder Ort Heimat,Berlin 2018 schon    jetzt vorliegen.

Das Publikum spielte an diesem Tag eine weniger wichtige Rolle und doch hängt alles an ihm, wie es der Eingangsspruch des Fred Jay Preises zeigte. Wenn das Publikum ausbleibt, fehlt die Grundlage für die Ziele der Gema die auf der Vermittlung und Zugang von Musik in allen Formen beruhen. Diese sind die Basis der hochentwickelten Musikkultur, wie sie Deutschland heute aufweist.

Aus diesem Grund wünscht man der GEMA einen anderen /eine neuen Preis neben dem für Textdichter. . Warum kann es nicht ein Preis für Neue Musik sein, erwählt von drei Fachleuten, die aber mit den Jahren, mental  oder regional immer wieder  wechseln. Dies würde auch der Neuen Musik aus ihrem eingeschlossenen Kämmerlein helfen, in dass sie sich selber gesperrt hat. Neue Musik vor lauter Musikleuten verschiedener Genres oder Couleur. Das wäre wirklich spannend. ESm