Die Kunst demokratisieren…

gehörte zu jenen nennens- und hörenswerten Beiträgen, mit denen der Deutschlandfunk seine Hörer an einem Sonntagmorgen in der Sendung Essay und Diskurs am 2.6. fesselte. Wirklich ein Edelstein unter all dem Geplapper und Geschnaufe, mit denen die Öffentlichen vom Rundfunk bis zum Fernsehen seine Hörer sehr erfreute. Eine Demokratisierung der Kunst könnte ihr die breite gesellschaftliche Bedeutung zurückgeben, die sie verloren hat, meint Stefan Heidenreich  in diesem, seinem Beitrag, der aber nicht nur auf die Bildenden Kunst zutrifft, also auf Bilder, wie ein Laie sagen würde, sondern auf die gesamte Kunst und auch  auf andere Gebiete angewendet werden könnte, wie St. Heidenreich anführt. Teile dieses Beitrages: Kunst als kommunikativer Akt, der Markt bestimmt den Rang, Schönheit als Eigenschaft oder Urteil, Soziale Schönheit stiftet Gemeinschaft, Kunst als gesellschaftliche  Avantgarde , der Betrachter bleibt teilnahmslos wie auch die Mehrheit  will Stumpfsinn und Spektakel  lassen sich auch auf die Moderne, Zeitgenössische  Musik übertragen. Man nehme nur das über 600 Seiten starke Musikleben in Deutschland, des miz (Deutsches Musikinformationszentrum gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien), in der akribisch aufgeführt wird, welche Institutionen mit welchen Mitteln gefördert wurden. Da finden wir auch einen Beitrag über zeitgenössische Musik mit allen Mitspielern, man könnte deren Rolle mit der des reichen Sammlers in dem vorliegenden Aufsatz vergleichen. Nur gibt es in der Neuen Musik keinen reichen Sammler sondern nur den Staat im Mantel der Ausschreibungen auf staatlicher, kommunaler oder auch in manchen Fällen der Länderebene, aber auch hier wird die Frage nicht gestellt , warum wird die Neue Musik vom Publikum so vehement abgelehnt? Dieser Frage müsste mit Nachdruck auch allen jenen Vorstellungen nachgegangen werden, deren Zuhörerzahlen nicht mit der  Realität zusammenpassen, wie wir aus eigener Anschauung wissen. Aber weder die Vermittlung noch eine kritische Auseinandersetzung setzen sich mit diesem Problem offen auseinander.  Zu tief verwurzelt ist das Misstrauen gegenüber den Fähigkeiten des Publikums.- Zu sehr verstrickt alle jene, die bestehende Institutionen führen. Auch das ist aus dem politischen Leben bekannt. Je stärker der Druck wird, die Strukturen zu verändern, desto dichter halten genau diese Strukturen zusammen. Kann das auch auf die Neue Musik zutreffen, die ja, wie wir wissen in erster Linie mit Fördergeldern arbeitet, ja arbeiten muss und daher einen Kreis aufgebaut hat, den man etwas  böswillig mit einem Hofstaat vergleichen kann. Daher kommt es auch zum sinnlosen Hinterherlaufen von Trends, die so flächendeckend sie auch sein mögen, so schnell vergessen sind wie andere. Alle paar Jahre kommt ein neuer Trend, einer so dekorativ und bedeutungslos wie der andere. Im ständigen Zustrom  des Neuen kommt tatsächlich alles ins Fließen. Die politischen Vorbehalte gegen jede Art von Diskurs oder Reflexion machen es fast unmöglich, in diesem kurzlebigen Kunstbetrieb irgendetwas von dauerhafter Bedeutung herzustellen, sagt Stefan Heidenreich zur Malerei. Es ist schmerzlich zu sagen, dass dies in noch stärkerem Maße auf die Neue Musik zutrifft.  Ein Massimo Schüler, aus Russland stammend , heute in Wien, erhält in Berlin nicht mal eine Aufführung, weil ein Antrag auf die Förderung eines Konzertes , wie auch schon in den vergangenen Jahren durch die  diese Entscheidungen bestimmende Juroren abgelehnt wurde. Warum, wie wissen es nicht und werden es auch nie ergründen, können aber mutmaßen, dass diese Ablehnung, wenn nicht durch irgendwelche Netzwerke mitbestimmt wurde, sondern schlicht durch Unkenntnis . Es klingt jetzt sehr platt aber es bestimmt das Nachdenken, was wäre wohl aus >Mozart geworden, wenn seine Werke einem Jurorengremium vorgelegen hätte

Keine einzige Förderung der uns bekannten Maßnahmen beginnt einen Diskurs über die Stellung der Neuen Musik. Bei der Frage, was Neue Musik will, haben die Zuhörer nicht mitzureden, wie auch die Künstler. Die Kommunikation zwischen allen drei Mitspielern der Umgebung: Neue Musik ist dürftig wie nicht existent. Es könne ja sein, dass eine Regierung, welche auch immer, beschließt jegliche Förderung einzustellen und lieber Panzer zu kaufen.- Eine Begründung gibt es immer. Wird dann die Neue Musik verschwinden mit allen ihrem Potential zur Förderung der Kreativität, das sie hat und deshalb wird Musik von jungen Leuten als erstes angegeben, wenn nach ihren Lieblingsbeschäftigungen gefragt wird? Trotzdem ist ein Einsatz eines Protestes durch ein Publikum im Falle des Wegfall des Staates als Förderer wohl nicht zu erwarten. Endet damit die Neue Musik? Werden wir eine Phase in der Geschichte der Kunst erleben , die keine Musik mehr hatte? Dieses wird man als Beweis einer kulturellen Niederlage ansehen, wenn es dazu noch die Möglichkeiten gibt.  

 

Robert Weiss