Neue Musik- Das BKA mit unerhörter Musik - und dem art ensemble berlin

Ob es hier zur Neuen Musik ginge ,fragte mich eine ältere Dame und fuhr fort, sie wäre aus Australien und wollte Neue Musik aus Deutschland kennenlernen, nicht irgendwelche Komponisten aus fremden Ländern, sondern was macht Deutschland auf dem Gebiet der Neuen Musik ?. Da sind Sie hier richtig, sagte ich,  denn auch wir gingen zu dem Konzert des Art Ensembles im 5. Stock des BKA. Wie gut, dass im Hausflur ein Schild auf die Veranstaltung hinwies, sonst wären  besonders ausländische Touristen mit einem solchen Wunsch  in dem Riesenangebot von Varieté und Kabarett leicht verloren gegangen. Und diese Angebote, lustig unterhalten zu werden,  gibt es in Riesenmengen in Berlin, angefangen von Kulturhäusern die eigentlich der freien Szene vorbehalten sein sollten, bis zu kleinen und großen Häusern und Institutionen. Dieser Touristenwunsch sollte der Kulturpolitik eine Warnung sein, unterhalten wird hier jeder und immer, aber es gibt auch Menschen, die nach Berlin kommen mit ganz nachhaltigen Wünschen, z.B.  nach der Gestaltung neuer Musik und das BKA ist das einzige Haus für Neue Musik. Es  erfüllt diese Aufgabe, so umfassend wie möglich mit nicht nachlassendem Mut.

Ein  sehr interessantes und vielseitiges Konzert bot das Art Ensemble an diesem 26.9 abends mit den Instrumenten (Kontrabass- Oliver Potratz, Flöte Antonella Bini und Art Oliver Simon, Klavier und Komponist, vertreten mit zwei Stücken an diesem Abend) Wenn man entweder leicht abgestoßen oder gelangweilt von den verschiedensten Darstellungen und Klangkünsten in dieser Stadt ist, so boten sich hier spannende und sehr unterschiedliche Kompositionen, die nicht nur Strömungen der Vergangenheit aufnahmen sondern auch auf zukünftige Entwicklungen Neuer Musik hinwiesen.  Eine Beobachtung fällt einem Laien gerade auch in der jetzigen politischen Situation ein: Wenn man eine intensive höchst kunstvolle Kommunikation nicht mehr für möglich hält, es war atemberaubend, wie leicht und exakte sich dieses Ensemble verständigte. Das ist nicht selbstverständlich und wer beobachten wollte wie schwierig und mit welcher Geduld ein  solches Ziel, der Musik gemeinsam zu dienen, erreicht wird, hätte auf die Probe im Puttensaal  der Bibliothek am Luisenbad, Wedding  am Vorabend kommen  sollen- da gibt es keinen Mindestlohn und keine Erststellung, es wurde mit unendlicher Geduld geprobt.  Die beiden Komponisten Herfert , Stuttgart und Michael  Quell, Fulda können  mit der  Uraufführung ihrer Stücke zufrieden sein. Das Ensemble hat sich vor keiner Schwierigkeit gedrückt und keine Arbeit gescheut. Mit Unterstützung der Schweizerischen Stiftung,  die die beiden auch hier aufgeführten Schweizer Komponisten Keller und  Wohlhauser gefördert hat, folgt diesem Konzert jetzt eine Tournee nach Fulda, Stuttgart und Basel.

Wir wünschen dem Ensemble alles Gute und eine erfolgreiche Tournee. Mögen sie die Botschaft vermitteln und weitertragen, die so erwünschte Kreativität und der notwendige Ideenreichtum, auch für Deutschland, wird nicht durch Unterhaltung hervorgerufen, sondern in großem Maße auch  in der Begegnung mit der Neuen Musik. Sie kann Freude machen. Mit dieser Botschaft gingen die Zuhörer nach Hause.

 

Robert Weiss