Ultraschall, Neue Musik und Pierre Henry

Pierre Henry ein Wegbereiter der Neuen Musik starb im Juli 2017  Zeitschriften, fachliche und allgemeine, informierten das Publikum über diesen Komponisten. In einem Konzert der Wintermusik, Karlsruhe des Ensemble 13 mit seinem Leiter Manager und Gestalter Manfrred Reichert stellte diesen Komponisten 1990 dem deutschen Publikum in einem Konzert vor (M. Reichert Fremder Ort Heimat, Berlin 2018) Henry schrieb im Programmheft: …Ich habe mir eine so vollständige Klangwelt aufgebaut, dass ich vor jedem Werk zögere, sie in Teilformen darzustellen. Trotzdem: komme ich in Studio, umgeben mich meine Titel meine Ideen- Alphabet. Sie ziehen mich an und geben mir Lust, wieder zu komponieren und weiter, ich schreibe meine Musik nicht mit Noten sondern mit Worten…

Warum hören oder sollen Menschen moderne Musik hören? Warum sollen sie Konzerte besuchen, die zum Teil ihr Ohr beleidigen und ihnen keine Freude machen. Sie wollen ihr Ohr an den Klang der Neuen Zeit legen und Henry gibt ihnen einen Moment dieses Wollens, wenn er schreibt Wenn ich Wolke schreibe, kann ich dabei an eine umgedrehte Klaviersonate denken. Aber nicht nur Henry auch Hespsos  ist Zeuge dieser Mühe, als  Reichert auf Wunsch der Hörer Hespos bat, die Lautstärke eines Stückes zu reduzieren und Hespos diesem Wunsche nicht nachkam, führte dieses zu einem jahrlangen Stillschweigen zwischen dem Dirigenten Reichert und dem Komponisten.

Neue Musik ist ein Wagnis für Hörer Komponisten und erst recht für jegliche Aufführung. Trotzdem sie ist unser bester Weg in eine neue unbekannte Welt und zu neuen Ufern der Kreativität. Zeigt sie immer diesen Weg? Beginnt sie wirklich diese Kommunikation mit den Hörern – nicht, in dem sie Wege des Popps beschreitet, um alle Steine des Hörens und Verstehens aus dem Weg zu räumen. Und nun komme ich zu Ultraschall, dessen Besuch die sich seuchenartig verbreitete Grippe leider  verhindert hat. Aber selbst wenn mich meine schwachen Beine noch in ein Konzert getragen hätten, die Lust stellte sich nicht ein. Wer will in ein Konzert gehen und einen Menschen vor einem PC sehen, samt Kabel? Kein Blick des Künstlers:   Kabel und ein stummer Mensch davor. Man kennt dieses aus modernen Büros und es ist den Zielen der modernen Musik entgegen gesetzt, ja der Musik überhaupt (Programmheft S. 11) oder die beiden Herren Heimathafen Neukölln (s. 14) millionenhaft gedruckt in Die Zeit oder dem Berliner Tagesspiegel nur mit anderen Herren, ein schreckliche Bestätigung des Entpersönlichkeitswahns und das bei Musik ? Oder ebenfalls Freitag den 19.1. (S. 20) aus dem Internet kopiert ? Nein diese Bilder machten mir keine Freude und erst recht keine Lust, die Schwäche meiner Krankheit zu überwinden und mich zu einem Konzert zu begeben. Neue Musik ist zwar neu, aber sie ist immer noch an erster Stelle Musik, sie ist weder Technik noch Malerei zu unerhörten  Events,  sie ist international, global und spricht zu jedem in ihrer eigenen Sprache, aber sprechen muss sie schon. Sie ist nicht Verpackung, sie ist Mittelpunkt unserer Seele und unsere Kreativität und Kommunikation – dazu gehören mindestens zwei: Komponist und Hörer, Komponisten sollten das nicht vergessen. Narzissmus ist der Tod der Musik, auch der Neueren.

                                                                                             

Robert Weiss