Unerhörte Musik - Eine Konzertreihe wird 30

Es gibt Neugründungen und Eröffnungen, die mit großem Getöse ihren vielbeachteten Weg in eine staunende Öffentlichkeit finden- und es gibt Wagnisse, die als ein solches dieses  Label tragen und sich als ein Segen erweisen.

Tönende Ortsbestimmung nannte Albrecht Dümling den Artikel, mit dem er die neue Reihe unerhörte Musik im BKA vor 30 Jahren begrüßte und er ahnte wohl nicht, wie recht er hatte. Noch immer bewegt sich der größte Teil des Konzertangebots Berlin zwischen Vivaldi Jahreszeiten  etc. und noch immer leidet die Zeitgenössische Musik am Unwillen seiner Hörer und es ist zu befürchten,  dass gerade sie der sich zunehmend ausbreitende Zuhörermangel besonders treffen wird.

Das BKA ist eine Perle moderner Musik in Berlin- nicht nur wegen seiner gemütlichen Räumlichkeit, die einem nun doch alternden Fan dunkle und schmutzige Keller oder wohlmöglich Clubs ersparen, sondern wegen des Ziels dieser Reihe, an der die beiden Protagonisten, Rubbert und Daske unbeirrt festhalten. Ein wechselndes und mal besser, mal bestens gestaltetes Programm bietet dem Zuhörer die Gelegenheit zum Kennen und (Lieben) lernen und den Künstlern einen Aufritt und eine Begegnung mit dem Publikum.

Dies ist eine Gelegenheit und Ansporn und evtl. sogar Heimat. Sonst hätte jener  junge Komponist, dem der oben genannte Artikel  eine intensive lyrischen Wirkung bescheinigte, nicht an seiner Bestimmung festgehalten . Mit gezügelter Leidenschaft vom Neo Quartett in Danzig gespielt, trug jetzt seine Musik mehr zum Verständnis zwischen Polen und Deutschland bei, als manche hehre EU Worte.

 

Robert Weiss